Ueli Steck – Bereit für die Cholatse NordwandUeli Steck – Ready for Cholatse Northface

Wir sind zurück in Pheriche. Heute schneit es ein bisschen. Aber ab morgen sieht das Wetter gut aus. Morgen werden Freddie und ich nach Zongla gehen und uns den Cholatse anschauen…Ich freue mich. Der Schnee ist soweit weg und die Verhältnisse sehen jetzt gut aus.

Der Ausflug ins Everest Basecamp war gut und trotz unbeständigem Wetter konnten wir die vergangene Woche sinnvoll nutzen. Für mich war es das erste Mal, dass ich durch den Khumbu Icefall gegangen bin. Ich war positiv überrascht wie gut alles ausgerüstet ist. Es gibt ein paar Passagen bei welchen man sich nicht hinsetzten sollte, um eine Pause einzulegen. Im Grossen und Ganzen ist der Aufstieg relativ sicher. Das Camp 2 befindet auf ziemlich genau 6400 Meter. Es ist ein guter Platz auf der Seitenmoräne des Gletschers. Zusammen mit Tenzing hatten wir eine gemütliche Nacht. Gefrühstückt haben wir dann aber erst im Basislager an der Sonne. Es war gut für mich, den Berg zu sehen, ich bin motiviert. Der Everest ist speziell. Der ganze Berg ist ausgerüstet. Es gibt viele Leute und viel Infrastruktur. An diesem Berg kann man keine Begehung im Alpin Stil mehr machen. Allein die Tatsache, dass es am Nordgrat und am Südostgrat Fixseilstrecken hat, lässt dies gar nicht mehr zu. Die Abstiege über diese Routen sind alle gesichert. Die Möglichkeit ist da schnell über einfache Routen an Seilen abzusteigen. Trotzdem ist es immer noch der höchste Berg der Welt und die Luft dort oben am dünnsten. Fehler können in dieser Höhe sehr schnell zu Katastrophe führen. Man kann die Zeit nicht zurück drehen. Es gibt mittlerweile Wettervorhersagen, fixe Seile und fixe Lager am Berg. Everest ist für viele zugänglich. Jeder einzelne hat sein eigenes Ziel. Und jeder hat seinen eigenen Everest.

Freddie und ich überlassen jetzt erstmal den grossen Berg seinem Schicksal. Wir gehen morgen nach Zongla und hoffen, dass wir diesmal den direkt Ausstieg am Cholatse vollenden können. Für mich ist es schon das dritte Mal in der Cholatse Nordwand. Für Freddie das zweite Mal. Heute Abend geniessen wir noch die warme Lodge in Pheriche. Der Ofen ist bereits mit Yakmist eingefeuert. Und bevor wir schlafen gehen, schauen wir uns noch eine weiter Episode von „Games of Thrones“ an…

Ueli
We just returned to Pheriche from a couple days at Everest BC. I made a trip through the ice fall to Camp II to scout conditions and further acclimatize, and Freddie teamed up with Sam Elias and the Nat Geo crew for some fun climbing on the wild ice formations on the Khumbu Glacier. Now, with high-pressure forecast to begin pushing in tomorrow, we are ready to get down to our first real mission of the trip: the North Face of Cholatse, via it’s straightest line.

It was good for me to see the moutain. The Everest remains very special. The whole moutain is fully equipped. There are many people and a lot of infrastructure. On this mountain there is no chance to do an ascent in the alpine style. The fact that on the north ridge and southeast ridge there are fix rope routes doesn’t allow it. The descent on these routes are all belayed. There is always the chance to descend on easy routes on ropes. Nevertheless it remains the highest mountain in the world and the air up there is the thinnest. Mistakes can lead to a tragedy. You cannot turn back time. Today you have weather forecasts, fix ropes and fix camps. The Everest is accessible for many people. Each of them has its own goal. And each one has its own Everest.

Freddie and I leave the Everest for the moment to his own destiny.

Ueli

Tags:
1 Comment
  1. Profilbild von Ralf Author
    Ralf 7 Jahren ago

    Kein Erfolg an der Cholatse Nordwand

    Der heutige Ausflug war nicht erfolgreich. Freddie und ich gingen um 3.30 in der Früh in Zongla los. Wir haben die Wand studiert und waren uns einig, dass es noch besser aussieht als letztes Jahr: Noch mehr Schnee. Was wir aber dann feststellen mussten war, dass der Schnee ziemlich locker und die ganze Wand mit einer losen Schneeschicht überzogen ist. Bis um 6.00 Uhr morgens haben wir uns weiter gekämpft, in der Hoffnung, dass es besser wird. Nach dem Einstiegsschneefeld war auch das Couloir lose und wir kamen schlussendlich nicht mehr weiter.

    Die Felsen sind mit Schnee überdeckt, der keinen Halt bietet. Wir mussten aufgeben. Bei diesen Verhältnissen geht das nicht. Und es ist obendrauf auch noch ziemlich gefährlich.

    Wir sind bereits wieder in Pheriche und überlegen uns neue Pläne. Eines ist sicher: Die Nordwände präsentieren sich dieses Jahr in schlechten Konditionen. Letztes Jahr befanden wir uns einen Monat früher am Cholatse und wir trafen perfekte Bedingungen vor. Wir waren da, just zum Zeitpunkt bevor das typische frühjahrs Tagesgangwetter anfängt. Dieses Tagesgangwetter bringt jeden Tag etwas Schnee, der sich kumuliert. Und genau dieser Schnee bleibt in den Nordwänden liegen.

    Wir haben wieder etwas gelernt. Wichtig ist, dass man es dennoch versucht, aber auch merkt, wann es nicht möglich ist.

    Am Cholatse ist im vergangenen November eine Koreanische Seilschaft abgestürzt. Man darf solche Wände nie unterschätzen. Obwohl ich schon zweimal durch die Wand geklettert bin, wird mir umso mehr bewusst, wie viel Glück ich hatte, gute Bedingungen vorzufinden. Und wenn ich daran denke welch ein schöner Trittfirn ich in der Shisha Pangma Südwand hatte, muss ich mir auch eingestehen, wie viel Glück ich hatte. Genau das ist die Herausforderung bei kombinierten Wänden. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und es dann auszunutzen.

    Diesmal scheint nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, um Nordwände im Khumbu zu besteigen. Freddie und ich haben beschlossen, morgen einen Ruhetag einzuschalten und die Sachlage zu analysieren und schauen, was wir tun können.

    Für mich wird es der erste Tag sein, an dem ich ausspanne mal nichts mache seit ich in Nepal bin. Seit wir im Khumbu sind, war ich jeden Tag unterwegs.

    Die Durchsteigung durch die Cholatse Nordwand letztes Jahr schien so selbstverständlich. Die diesjährigen Bedingungen rufen uns in Erinnerung wie cool es eigentlich war!

    Wir lassen den Kopf nicht hängen. Es gibt viel zu tun im Khumbu. Wir werden sicher etwas Neues finden.

    Herzliche Grüsse

    Ueli

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Zum Kommentieren kannst du auch ein Alias fuer deinen Namen nutzen, um oeffentlich anonym zu bleiben.
Hier findest du unsere Datenschutzerklaerung.