Selvaggio Blu – The Trip of my Life

Es gibt viele Titel für den Selvaggio Blu, doch in Worte fassen kann man das Erlebte eigentlich nicht. Es war das atemberaubenste Abenteuer meines Lebens und ich erinnere mich an jede einzelne Minute als wäre es gestern gewesen. Es war die schönste Tour, die ich je gemacht habe. Mit Anstrengungen und Herausforderungen, die ich mir vorher niemals hätte vorstellen können, die aber durch eine unbeschreiblich schöne, unberührte Natur belohnt wurde.
Ohne perfektes Teamwork und beste Stimmung meiner Mitreisenden Till, Camilla und Patrick in jeder Lebenslage wäre das alles jedoch nicht möglich gewesen.

Wie alles begann…

Als wir uns im Frühjahr 2013 beim Kletterstammtisch des DAV Bochum zusammensetzten, erzählte Till uns von einer spannenden Mehrtageswanderung auf Sardinien. Es gab spontan interessierte Menschen und auch ich war begeistert. Wir fanden zu sechst ein Datum im Herbst 2013 und planten lange nichts. Als das Datum näher rückte, Flüge und ein Mietwagen gebucht waren, war die Aufregung groß.

Ich klettere seit 2 Jahren, hatte aber noch keine Mehrtageswanderung ohne Verpflegungsmöglichkeiten gemacht. Ein Internetshop bescherte uns allen ein großes Paket an Trekkingnahrung und jeder plante für sich die tägliche Verpflegung. Jeder hatte dabei seinen eigenen Stil. Ich kaufte als Snacks für tagsüber bei dm die Alnatura-Abteilung auf, einen Haufen Kinderriegel und etwas trockenes Obst. Für morgens packte ich eine große Tüte Müsli und Folgemilchpulver ein und für abends je ein Paket Trekkingnahrung und eine Packung in Reserve. Patrick hatte ein bisschen Trekkingnahrung, Müsli und einen großen Beutel Pulver für Kartoffelpürree mit Pesto gemixt. Ja, richtig gelesen. Vorgemixt. Und Till hatte akribisch für sich und Camilla für jeden Tag 2000kcal eingeplant und dementsprechend Müsli mit Magermilchpulver abgewogen und in einzelne Tüten verpackt.

Dann ging es ans Rucksackpacken…

Da ich noch nie eine solche Wanderung gemacht hatte, eine echte Herausforderung. Jens, mein Freund und erfahrener Bergsteiger packte mir erstmal 18 Literflaschen Wasser in meinen Deuter Reiserucksack. Nachdem ich nicht in der Lage war, diesen ohne fremde Hilfe auf den Rücken zu setzen und ein paar Schritte zu tun, war ich kurz davor zu sagen – im Ruhrpott is ja auch schön und hier zu bleiben.

Also haben wir erst mal einen größeren Rucksack (65l) von Arc’teryx bestellt, der gleichzeitig auch wesentlich weniger Gewicht auf die Waage brachte. 6 Wochen vor Reiseantritt wurden mir die Mandeln entfernt und ich hatte ordentlich abgenommen. So sah ich bei 165cm und 55kg aus wie ein Rucksack mit Stelzen.

Selvaggio Blu Ausrüstung – Was mitnehmen?

Diese Frage brachte mich zwei Abende zur Verzweiflung. Noch schnell eine lange und kurze Wanderhose bestellt, leicht und schnell trocknend. Ansonsten landeten im Gepäck insgesamt eine kurze und eine lange Hose, zwei Trägertops, eine Longsleeve, lange Merino-Unterwäsche für die Nacht, zwei paar Socken, zwei Sätze Unterwäsche, Regenjacke, leichte Isolationsjacke, Mütze, Buff, Sonnenbrille, ein Schlafsack (viel zu schwer), eine Isomatte, ein Zelt (insgesamt 3 Zelte für 4 Personen), Klettergurt, Tube, 2 HMS, 3 Exen Kurzprusik, 2 Normalkarabiner, 3 Bandschlingen, Wanderschuhe, Flip Flops, Stirnlampe plus Ersatzbatterien, Fotoapparat, Smartphone, Outdoorhandy (beides überflüssig – man hat selten Empfang), Nahrung, Wasser (anfänglich 5 Liter für 2 Tage), Trinkblase plus Flasche, Messer, Göffel und ein Teller, ein Stift, ein kleines Heft, Biwaksack, Erstehilfeset, Nobyte, Tape, ein winziges Micofaserhandtuch, Zahnbürste und -pasta, sowie Deo, Sonnencreme und ein Stückchen Seife.

Alles in allem kam ich auf mehr als 20kg Gepäck. Verglichen mit Körpergewicht und Größe viel zu viel wie ich direkt am ersten Tag schmerzvoll zu spüren bekam. Aber ich wollte unbedingt ein eigenes Zelt – dazu später. Im Nachhinein hätte ich so Einiges zu Hause lassen können.

Nun denn, der Rucksack prall gefüllt und auf in den Flieger. Wie die Jungs noch je ein 60m Seil, Kocher, Topf und Gas und Till zusätzlich seine Kletterschuhe, sowie Friends und Klemmkeile unterbringen konnte, ist mir unbegreiflich. Patrick, der einen Tag vorher losgeflogen ist, erwartete Camilla und mich voller Vorfreude am Flughafen in Cagliari. Till musste einen Tag später nachreisen.

Unser Vorhaben Wasserdepots anzulegen, wurde aufgrund des Absprungs zweier Mitreisender spontan umgeplant, um nicht zu sagen – es war eigentlich auf einmal nichts mehr wie ursprünglich organisiert.

Depots anlegen…

Wasser! - ein elementar wichtiges Gut auf dem Selvaggio Blu

Wasser! – ein elementar wichtiges Gut auf dem Selvaggio Blu

Mal abgesehen von 100km Umweg und 4 Stunden Fahrt haben wir es zum Campingplatz in Cala Gonone geschafft. Am nächsten Morgen früher Aufbruch. Unser Plan war es, an 2 Stellen Wasserdepots anzulegen – durch unsere „vorbildliche“ Vorbereitung kein Problem. Wir haben, wie erwähnt 2,5 l pro Tag und Person einkalkuliert, an den Depots aber immer ein wenig mehr hinterlassen, damit wir dort so viel trinken können wie wir wollen.

Mit dem Rother Wanderführer im Gepäck und einem Haufen Wasser auf dem Rücken sind wir losmarschiert. Unterwegs schickten wir Till ein Foto von der Bucht auf die wir zumarschiert sind (Cala Goloritze – eigentlich wollten wir aber nach Portu Cuau). Der wusste zwar, dass wir falsch waren, wollte uns aber nicht demotivieren und schickte nur: „Sieht gut aus.“ zurück. Also haben wir am vermeintlichen Ziel angekommen unser Wasser versteckt und sind zurück gewandert.

Abends waren wir schon von dieser Tour ziemlich fertig. Nicht, dass wir den Rückweg auf Anhieb gefunden hätten. Wir bauten eine spontane Kletterstelle ein und legten ein paar Kilometer mehr durch wegloses Gelände zurück als geplant.

Am nächsten Tag haben wir Till vom Flughafen eingesammelt, der uns dann offenbarte, dass wir falsch gewandert sind und in der Cala Gloritze zu wenig Wasser versteckt hätten. An dieser Stelle sollten insgesamt 40 Liter abgelegt werden, wir hatten aber nur 20 hierher getragen. Also teilten wir uns auf. Die Jungs ließen Camilla und mich auf einem Fahrweg raus und wir wanderten zur Cala Sisine, ein einfacher Weg, immer geradeaus zum Strand. Till und Patrick hatten sich aufgeteilt und je in der Portu Cuau und Cala Goloritze weitere Wasserdepots versteckt.

Nach einem erfrischenden Bad wanderten Camilla und ich zurück und obwohl wir auf dem Hinweg nicht einmal abgebogen waren, schafften wir es, uns auf dem Rückweg zu verlaufen (wenn Frauen quatschen) und konnten erst im Dunkeln die Männer wiederfinden. Ziemlich erschöpft ging es zurück zum Campingplatz in Cala Gonone. In weiser Voraussicht haben wir an unserem vorerst letzten Abend in der Zivilisation erst einmal eine riesige Pizza und ein großes Bier gegönnt und sind dann früh schlafen gegangen. Eine letzte SMS an die Daheimgebliebenen und am nächsten Morgen ging es dann mit dem Mietwagen Richtung Santa Maria Navarrese. Dort haben wir uns fertig gemacht, getaped, Wasser verteilt und sind in Santa Maria Navarrese los marschiert. Bester Stimmung und voller Aufregung.

Grober Überblick über den Routenverlauf des Sentiero Selvaggio Blu

weiter geht´s mit dem Erlebnisbericht vom 1.Tag…


 

Ein authentischer Erlebnisbericht über den Selvaggio Blu von Carina Brust

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1 Comment
  1. Sebastian 1 Monat ago

    Super Reisebericht! Hat mir auf jeden Fall viel geholfen meinen Trip zu planen.
    Wir machen die Selvaggio Blue nächsten Monat und ich bräuchte vielleicht noch ein paar Tips von dir:
    1. Wie hab ihr das mit dem Auto gemacht? In Cala Gonone stehen gelassen und dann mit dem Bus nach Santa Maria Navarrese?
    2. Braucht man ein Zelt, oder können wir uns das sparen?
    3. Als ihr die Depots in Cala Gloritze angelegt habt, nehme ich mal an das ihr da über unbebaute Strasse dort hin gefahren seit (soweit wie das möglich ist), brauch man da einen Geländewagen oder geht das auch mit dem normalen Mietauto?
    4. Sonst noch irgendetwas Tips die du gerne vorher gewusst hättes?
    DANKE!

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