Selvaggio Blu – Tag 6 – Von Cuile Mancosu nach Cala Sisine

In der Vorfreude auf das Wiedersehen und eine versprochene Flasche Wein würgten wir uns das morgendliche Müsli runter, das wirklich jeden Tag weniger schmeckte und teilten den letzten Teil des Wasservorrates auf. Wasser sammelte sich in der Zeltplane – ausschütteln die reinste Verschwendung, also nahm Till erstmal einen kräftigen Schluck und freute sich wie Bolle über diesen edlen Tropfen.

Trinken aus der Zeltplane

Trinken aus der Zeltplane

In der prallen Hitze ging der Wasservorrat ganz schön schnell zur Neige, aber mit ein bisschen Geschick sollten wir ja am Abend unser nächstes Depot und Jens mit einer Flasche Wein erreichen. Förmlich beschwingt stiefelten wir los. Der Tag versprach zwar eine kurze Distanz (7km, 6h), aber dafür mehrere Kletterstellen und 4x Abseilen, längstens 45m.

Wenn doch nur die Markierungen ab und zu gut zu sehen gewesen wären. Auch an diesem Tag ging es mit einer fröhlichen Suche los, aber wir wurden schnell fündig. Der Weg führte uns durch Wälder, endlich mal flacher Boden ohne Felsbrocken, dafür blieben wir ständig im Gebüsch hängen und man hörte in regelmäßigen Abständen ein „Autsch“ oder „Mist“.

Till, der anfänglich blind hinter mir hergelaufen war, musste das ein oder andere Mal feststellen, dass ich gut 20cm kleiner, locker gehend unter manchen Ästen her passte, die komischerweise an seiner Stirn klebten. So latschte jeder mal voraus. Die Abseilstellen mussten wieder mal ausführlich gesucht werden, teilweise hatten wir aber auch hierfür einen guten Blick bekommen. Nach der zweiten Abseilstelle und einer halben Stunde Wegsuche kamen wir schließlich in einer Art Schlucht und quetschten uns mit den riesigen Rucksäcken durch die Felsen.

durch die Schlucht

durch die Schlucht

Anschließend gab es noch eine schöne Kletterei, ebenfalls mit Drahtseilen gesichert und im Anschluss durften wir uns zwei mal über 45m vor einer unbeschreiblichen Kulisse von einem in den anderen Wald abseilen. Das Abseilen macht super viel Spaß, war aber auch ziemlich anstrengend – ich war dankbar für meine Prusik und meine Erfahrung.

Abseilen 40m

Abseilen 40m

Es erwarteten uns recht schwierige Schotterpisten, auf denen wir bergab rutschten, unter uns immer der Abhang mit direktem Freifahrtschein über die Klippen ins Meer. Fehltritte nicht erlaubt.

Nach dem letzten Abseilen und einem weiteren Waldstück ging es nun bergab in die völlig menschenleere Bucht Cala Sisine. Auch hier fanden wir unser Wasserdepot unangetastet im Versteck und gönnten uns allen ein Bad. Da es noch früh und warm war, genossen wir erstmals für längere Zeit das Schwimmen im Meer und planschten jauchzend wie kleine Kinder. Seit Tagen sahen wir auch wieder die ersten fremden Menschen.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichte uns Jens mit einem riesigen Rucksack und entpuppte sich als Weihnachtsmann auf Sardinien. Auch er hatte beim Reinwandern trotz GPS und Karte Schwierigkeiten den Weg zu finden. Der Inhalt des Rucksacks war der beste Gaumenschmaus meines Lebens. Man glaubt gar nicht, wie gut Apfelringe wirklich schmecken!!! Nachdem Jens frisches Brot und Nutella zückte, flog mein restliches Müsli im hohen Bogen ins Gebüsch. Nicht nur Wein, sondern auch Cola lösten ein Gefühl aus, das man sonst sicher nur mit synthetischen Drogen erzeugen kann. Wir genossen unser Festmahl, das Wiedersehen und die geschaffte Etappe und ließen den Abend ganz entspannt ausklingen. Geplagt von tausenden Mücken verschwanden wir allerdings alle recht früh in den Zelten. Eine Tagesetappe hatten wir ja auch noch vor uns, aber mit Cola und Nutella fühlten wir uns unsterblich!

Cala Sisine

Cala Sisine


 

Fortsetzung folgt!

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