Selvaggio Blu – Tag 4 – Von Cala Gloritze nach Bacu Mudaloru

Nachdem mich in der Nacht eine weitere Heißhungerattacke meine letzte Tafel Schokolade gekostet hat, freute ich mich umso mehr auf meine tägliche Müsli-Folgemilch-Mischung. Mit anderen Worten hing mir das Zeug zum Hals raus. Jedes bisschen kauen verdoppelte die Portion gefühlt in meinem Mund. Till, der sich schon mit der nächsten Tagesetappe im Führer beschäftigte, tat immer wieder kund, wie unglaublich lecker seine Portion sei. Wenig glaubhaft. Wir wanderten zurück zu unserem Wasserversteck und blickten alle einen langen Moment schweigend auf den Haufen an Wasser, der irgendwie in den Rucksäcken verstaut werden wollte. Nach fünf Minuten des Nachdenkens stand meine Entscheidung fest: Ich steige aus. Mir war es fast unmöglich für einen Tag das Wasser zu schleppen und nun mussten wir die Vorräte für die nächsten drei Tage schleppen. Es gab eine heiße Diskussion, Tränen und nette Worte. Schließlich entschieden wir, unsere Rucksäcke zu erleichtern und den bisher gesammelten Müll, sowie überflüssige Gegenstände und Essen im Versteck zu verstauen und nach dem Trail wieder dort abzuholen. Till und Patrick schulterten jeder unglaubliche Mengen Wasser auf die Rücken (insgesamt waren 40 Liter zu verteilen) und wir gingen los.

Wasservorrat

Wasservorrat

Endlich hatte ich mal nicht das Gefühl, dass die beiden mir wegrennen. :) Nach ein paar bekannten Wegfindungsschwierigkeiten in einer Schuttrinne, kamen wir an die erste Kletterstelle, die mit 4+ angegeben war. Gleiches Prinzip wie zuvor. Till stieg vor und holte uns nach. Dieses Klettern mit dem schwankenden Rucksack und den Bergschuhen löste bei Camilla einen Schwall von Flüchen aus, die uns anderen einen Lachkrampf bescherten. Geschimpft wurde höchst katholisch die Route hoch ( JesusMariaMutterGottesHerrImHimmelVerfluchteScheiße) und schwupps war sie am ersten Standplatz. Von dort aus ging es durch eine furchtbare Schuttrinne zur zweiten Kletterstelle. In der Rinne gab es keinen Halt und wir lösten eine halbe Tonne Steine, die lawinenartig hinabpurzelten. Till ging todesmutig vor und holte uns mit dem Seil nach. Ohne Sicherung hätte ich wahrscheinlich keinen Schritt getan. Nachdem wir überglücklich auch die zweite Kletterstelle überwanden, blickte Till so herunter und sagte: „Das hätte ich ja nieee im Leben mit Rucksack geschafft“. Besagter stand aber neben ihm und fing Tills ungläubigen Blick ein: Wie ist der wohl dahin gekommen?

Nach kurzer Rast ging es steil in schwerem Gelände bergauf, dann runter in ein Tal, über einen Bergkramm, der uns viel Trittsicherheit abverlangte, durch einen Wald und wieder runter zur ersten Abseilstelle. Auch diesen Fund haben wir nur unserem Schwarmprinzip zu verdanken. Abenteuerlich mit verschiedenen Seilen und Haken aus unterschiedlichen Klettergenerationen abgesichert ging es abwärts und anschließend abwechselnd über Felsen, durch Schotterpisten und Geröll teilweise steil aufwärts zur nächsten Abseilstelle.

Abseilstelle

Abseilstelle

Hier ging es deutlich tiefer und abenteuerlich hinunter. Es waren ordentlich Bauchmuskeln gefragt, da einen das Gewicht des Rucksacks beim Abseilen ganz schön nach unten zieht. Unfreiwilliges Seilballett inklusive. Anschließend ging es durch eine bizarre Felslandschaft an Höhlen vorbei, das tiefblaue Meer weit unter uns ein ständiger Begleiter. Teilweise erforderte die Route absolute Schwindelfreiheit, aber die Felsen und Aushöhlungen an den Bergen erwiesen sich von unvergleichbarer Schönheit. Auch hier an den Wasserstellen waren wir froh nicht auf diese angewiesen zu sein. Bisher der abwechslungsreichste, aber auch anspruchsvollste Teil der Route. Zwischendurch mussten wir halb krabbelnd auf einem Felsband balancieren, bis wir schließlich unseren Biwakplatz direkt über einer hübschen kleinen Bucht erreichten. Das Wasser war unfassbar kalt, tat aber ebenso gut. Da die Stelle für drei Zelte schon recht knapp war, schliefen Patrick und ich außen auf einer leichten Schrägen, sodass ich nachts an die Zeltplane rollte. Mittlerweile hatten all unsere Sachen eine gewisse Grundfeuchte und einen entsprechendes Aroma angenommen, aber wir waren ja unter uns.

Fortsetzung folgt…

Biwak Bacu Mudaloru

Biwak Bacu Mudaloru


 

Ein Bericht von Carina Brust

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