Selvaggio Blu – Tag 3 – Vom Notbiwak nach Portu Cuau und dann nach Cala Goloritze

Am nächsten Tag nach einer mäßigen Nacht und weiter schmerzenden Beinen, ersten Blasen an Camillas Schlüsselbein und meinen Füßen, machten wir uns auf die Suche nach dem Weg. Aus der verwirrenden Beschreibung wurden wir nicht schlau, da wir aber sehr hoch waren, konnten wir zumindest die Richtung erkennen, in der sich unser Tagesziel des gestrigen Tages und das ersehnte Wasser befanden. Es war sehr heiß und wir beschlossen uns durchs Gestrüpp zu schlagen. Patrick und Till voran, die Frauen hinterher. Nach gefühlten 100 Sackgassen (unpassierbare Sträucher oder Abgründe), völlig zerkratzten Beinen und Armen, Durst und blanken Nerven entschlossen wir uns zum Ausgangspunkt der Nacht zurückzukehren, von da aus auszuschwärmen und die blauen Punkte zu suchen.

Wegfindungsschwierigkeiten

Wegfindungsschwierigkeiten

Ich weiß nicht mehr, wer ihn letztendlich entdeckt hat, aber ich war so erleichtert, dass der Rucksack gefühlt auf einmal 10kg weniger wog. Kaum hatten wir die Punkte entdeckt, befanden wir uns auf einem Weg. Einem richtigen ausgetretenen Pfad. Wir konnten unser Glück kaum fassen und waren in weniger als einer Stunde an unserem Wasserdepot und unglaublich glücklich. In der hübschen Bucht gönnten wir uns alle erst mal ein Bad. Es war eiskalt, aber unglaublich gut. Gestärkt durch das frische Wasser machten wir uns auf den Weg – wir hatten schließlich noch eine ganze Tagesetappe zu laufen. Die Länge der Tour war bei 7km mit acht Stunden angegeben. Vielversprechend. Schnell wussten wir auch, warum. Die blauen Punkte waren mal wieder mehr als rar.

Suche nach dem blauen Punkt

Suche nach dem blauen Punkt

Das Gelände schwierig und äußerst anstrengend. Teilweise mussten wir gefährliche Schuttrinnen queren, die so steil waren, dass es kaum möglich war, einen Schritt zu tun ohne abzurutschen.

Wir lernten schnell, dass die Angaben zu den Höhenmetern sich nur auf die gemessene Entfernung zwischen Ausgangs- und Endpunkt beziehen konnten. Durch das ständige auf und ab auf den Wegen machten wir sicherlich wesentlich mehr. Der Führer war oft wenig hilfreich, da wir teilweise die englische, wirre Beschreibung einfach nicht verstehen konnten. Immer wieder wurde auf „fading markings“ and „suddenly hard to follow“ oder ähnliches hingewiesen. Oft hielten wir an und mussten nachlesen oder wir wandten unser Schwarmprinzip an und suchten gemeinsam in allen Himmelsrichtungen nach blauen Punkten. Dies war zeitaufwändig, aber die einzige Möglichkeit den Weg nicht ständig zu verlieren. An diesem Tag aß ich in einem Anfall von Heißhunger alle meine Kinderriegel für den gesamten Trail auf einmal auf. Ohne hätte ich die Etappe sicher nicht geschafft. Hier wurde mir erstmals bewusst, dass wir seit drei Tagen keine Menschenseele gesehen haben und uns fernab von jeglicher Zivilisation befanden. Lediglich die Tatsache, dass wir ab und zu auf alten Schäferwegen liefen, zeigte uns, dass es hier andere Menschen gibt oder gab. Durch das ständige auf und ab machten wir viele Höhenmeter. Auch die Männer kamen an diesem Tag aufgrund der Hitze und des schweren Gepäcks an ihre absoluten Grenzen. Das Wasser war vor allem für Till, der sicher zwischenzeitlich 30kg trug trotzdem zu knapp berechnet bei 2,5l am Tag. Wir mussten öfter Pausen einlegen und verzweifelten zwischendurch aufgrund der Erschöpfung. In der Hoffnung auf Schatten im nächsten Abschnitt rafften wir uns dennoch wieder auf. Wir entdeckten die ersten Schafställe (Schatten!) und waren beeindruckt von den Werken aus trockenem Holz, das ein wenig an Tipis erinnerte. Die im Führer angegebene Wasserstelle war leer und wir waren froh, dass wir uns nicht darauf verlassen hatten.

gefährlicher Abstieg durch die Schotterpiste

gefährlicher Abstieg durch die Schotterpiste

Auch im weiteren Verlauf des Tages verloren wir immer wieder den Weg, wurden aber mindestens ebenso oft durch die beispiellos atemberaubende Landschaft belohnt. Bis wir schließlich wieder das Meer entdeckten und von oben einen Blick auf die beeindruckende Bucht der Cala Goloritze hatten. Wir folgten einem steilen Pfad durch eine Schotterpiste nach unten, was nicht weniger anstrengend war als der Aufstieg bis dahin und erreichten gegen Abend die wunderschöne Bucht. Dort hatten wir unser größtes Wasserdepot versteckt. Nachdem wir uns vergewisserten, dass dies nicht geplündert worden ist (auch davon wurde häufig berichtet) und die letzten Tagestouristen vom Strand verschwanden, schlugen wir mitten am Strand unsere Zelte auf und waren mächtig stolz und unfassbar glücklich.

Blick auf Cala Gloritze

Blick auf Cala Goloritze

Der Blick auf die Bucht aus dem Zelt heraus war einfach unbezahlbar, das Essen schmeckte so gut wie nie zuvor und wir waren einfach tief zufrieden. Die Nacht war gewohnt kalt und feucht, es schauerte ein wenig. Am nächsten Morgen wachten wir nach und nach auf. Patrick erfreute mich jeden Morgen mit dem Ritual wie ein Erdmännchen den Kopf aus dem Zelt zu strecken, zu gähnen, rechts und links zu schauen und gelegentlich nach einem „neee – das ist mir noch zu kalt“ für die nächsten 10 Minuten wieder zu verschwinden.

 

Fortsetzung folgt…

 

Tags:

Bitte kommentiere hier...

Loading Facebook Comments ...
0 Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

tourendatenbank.com ©2016 - Kontakt - Impressum - Datenschutz
or

Log in with your credentials

or    

Forgot your details?

or

Create Account