Selvaggio Blu – Tag 2 – Von Cuile de us Piggius nach Portu Cuau

Zu Beginn des Tages war der Weg angenehm, gut markiert mit den geliebten blauen Punkten, flach und einfach. Doch wie im Führer beschrieben, verschwanden die Punkte irgendwann und waren nicht mehr aufzufinden. Der Nebel ermöglichte keine Sicht mehr als einen Meter, sodass wir große Schwierigkeiten hatten, die beschriebenen Merkmale am Weg zu finden und so verloren wir schließlich den Weg.

Da Till sich GPS-Punkte von zwei Menschen, die den Trail auch schon gemacht hatten, auf sein Garmin geladen hat, entschieden wir uns, in ein Tal abzusteigen, in dem sich der nächste GPS-Punkt befand, um von da aus auf den Weg zurückzufinden. Wir wägten ab und trafen im Nachhinein gemeinsam die falsche Entscheidung in ein ausgetrocknetes Flussbett abzusteigen, überzeugt auf dem richtigen Weg zu sein, da die GPS-Punkte nicht weit entfernt waren. Der Abstieg war sehr anstrengend, da weglos und wir von einem Felsbrocken zum nächsten steigen mussten. Trekkingstöcke waren eine gute Hilfe, aber dank des Gewichts und des langen Weges, spürte ich nach ein paar Stunden die Oberschenkel und die Knie als hätte ich Rheuma.

4 Abstieg ins Tal des Todes (Mittel)

Abstieg ins Tal des Todes

Der Plan auf den ursprünglichen Weg zurückzukehren, ging vorerst nicht auf, wir hatten  keine Wahl als weiter im Flussbett abzusteigen. Rechts und links gesäumt von hohen, recht glatten Felswänden. Je tiefer wir kamen, desto sicherer waren wir, falsch zu sein. Bis wir plötzlich vor einem tiefen Abgrund standen. Ein Wasserfall. Wir haben erst mal die Rucksäcke abgelegt und die Möglichkeiten eruiert.

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Rausklettern unmöglich. Wir entdeckten direkt am Beginn des in die Tiefe stürzenden Wasserfalls einen Baum, an dem bereits eine Bandschlinge und ein Majonrapid angebracht waren. Seit Stunden das erste Zeichen, dass hier außer uns schon andere menschliche Wesen waren. Erleichterung, aber was nun? Alleine bis zu dem Baum zu kommen, war das reinste Abenteuer. Wir haben uns von oben dorthin gesichert und saßen dann zu viert auf dem Baum. So weit so gut. Da wir nicht wussten, wie tief es runter geht und ob 60m Seile reichen, habe ich Patrick abgelassen. Ich saß auf dem Stamm und das Seil lief über meinen linken Oberschenkel. Eine andere Position war einfach nicht möglich. Meine erste Brandwunde. Patrick schaffte es nach unten, die Seile reichten knapp aus. Wir ließen Camilla ebenfalls ab und Till und ich seilten uns ab.

 60m Notabseilen im Wasserfall

60m Notabseilen im Wasserfall

Gut merken, welches Seil oben liegt. Alle heil unten angekommen, versuchte Till das Seil abzuziehen. Da er mich aus der Ferne nicht hören konnte, zog er kräftig am Seil, 10 m über dem Boden erreichte ihn aber endlich mein gellender Schrei: „Till, da ist ein Knoten drin“. Hundertmal abgeseilt im Leben – shit happens. Anders kann man es nicht sagen.

Also musste Till als bester Kletterer free solo an der Felswand hoch. Eine ordentliche Leistung! Fix und fertig mit den Nerven. Aber wir konnten das Seil abziehen. Trotz des Abenteuers und der Anstrengung war die Stimmung gut und wir stiegen weiter ab. Irgendwo mündet ein Fluss ja schließlich ins Meer und irgendwann mussten wir da auch wieder hin. Es schien kein Ende zu nehmen und statt Hoffnung schöpfen zu können, stießen wir auf immer mehr Tiergerippe zwischen den Felsen. Teils von Bäumen erschlagen oder einfach verdurstet. Uns wurde klar: Wir sind im Tal des Todes gefangen. Der Fluss endete 100m über dem Meer in einem weiteren Wasserfall. Wir wussten nicht ein, noch aus. Die GPS-Punkte per Luftlinie gar nicht so weit entfernt, aber unerreichbar – später Nachmittag – gleißende Hitze – wenig Wasser. Ziemlich am Ende entdeckte Patrick dann wie ein Wunder auf einmal einen blauen Punkt. Die Rettung in Form einer Kletterstelle, allerdings war der Einstieg der im Führer angegebenen 3+ nicht machbar, da die Treppe dazu zerstört war. Weiter links schien die 50m Wand machbar und Till stieg diese mit seinen Kletterschuhen vor, sicherte die Route mit Klemmkeilen und Bandschlingen und holte uns nach.

Die Kletterstelle erwies sich als recht schwierig, Grad ca. 5+, mit 20kg Gepäck, entkräftet, durstig und mit Bergstiefeln eine wahnsinnige Anstrengung. Die Sonne ging unter und fast ganz oben diente ein Stachelstrauch sowohl als Tritt, als auch als Griff. Unter Schimpfen und Fluchen haben wir es alle geschafft. Es war so dunkel, dass wir ohne Stirnlampen keinen Schritt mehr tun konnten. Ohne unser heutiges Wasserdepot erreicht zu haben, entschlossen wir uns zum Notbiwak. Wir irrten eine Zeit zwischen den Steinen hin und her, fanden schließlich jeder einen Platz und schliefen völlig erschöpft ein. Zum Abendbrot gab es aus Wassermangel nur Trekkingkekse und Knäckebrot, was den Durst nicht gerade verminderte.

 

Fortsetzung folgt…

 

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